EDINBURGH
THE EUROPEAN CONFERENCE ON YOUNG PEOPLE AND TOBACCO
DIE EUROPAISCHE KONFERENZ ZUM THEMA JUGEND UND RAUCHEN
Oktober 1995
Europäische Konferenz zum Thema Jugend und Rauchen
4 - 8 Oktober 1995, Edinburgh.
Moira Wilson (Trad.) Angelika Muir-Hartmann
European Network on Young People and Tobacco
ASH Scotland, 8 Frederick Street, EDINBURGH, EH2 2HB, UK.
Tel: +44.131 225 4725, FAX: +44.131 225 2972
Die viertägige Europäische Konferenz zum Thema Jugend und Rauchen fand im Oktober 1995 in Edinburgh, Schottland statt. Die Konferenzteilnehmer diskutierten mögliche sowie bereits bestehende Methoden einer europaweiten Zusammenarbeit gegen Tabakkonsum und für auf Jugendliche abgestimmte Präventivaktionen. Mit dieser Zielsetzung trafen sich praktisch Tätige, Forscher und Vertreter der Zielgruppe zum Austausch von Erfahrungen und zur gemeinsamen Debatte einer Reihe relevanter Anliegen. Es wurden Vorschläge unterbreitet, wie Hindernisse überwunden werden können, wie Forschung und Praxis zum Nutzen von Programmen zum Thema Jugend und Rauchen besser integriert werden können und wie das Europäische Netzwerk zum Thema Jugend und Rauchen nach seiner anfänglichen Phase in Zukunft weitergeführt werden soll.
Die Schwerpunkte der Konferenz bildeten die Hauptziele des Netzwerks: Förderung der Verständigung zwischen Forschern und Programmveranstaltern sowie Beitragsleistung zur Harmonisierung der europaweiten Bemühungen, die Raucherzahlen unter Jugendlichen zu senken. Mit der Veranstaltung dieser Konferenz ging das Europäische Netzwerk zum Thema Jugend und Rauchen diesen Zielsetzungen nach und die Teilnehmer waren aktiv darum bemüht, die während der Pilotphase aufgetauchten Fragen zu klären und die zukünftige Rolle des Netzwerks festzulegen.
Durch Frau Soledad Blanco vom "Europa Gegen Krebs" Programm, die die Konferenz am Donnerstag eröffnete und von Lord James Douglas-Hamilton, Gesundheitsminister für Schottland, der die Konferenz am Freitag eröffnete, wurde die Veranstaltung sowohl in europäischen als auch schottischen Rahmen gesetzt.
Die Mehrzahl der Konferenzteilnehmer arbeitet auf dem Gebiet von Jugend und Rauchen und wurde aufgrund ihrer praktischen Erfahrung zur Konferenz geladen. Jedes Land war aufgefordert, eine Kerngruppe zusammenzustellen, bestehend aus einem Forscher, einem Strategen und einem Programmverantwortlichen sowie Vertretern der Jugendorganisationen des Landes. Ein repräsentativer Querschnitt wurde somit erreicht, mit insgesamt 72 Delegierten aus 14 Ländern.
Während des zweieinhalb Tage dauernden offiziellen Programms nahmen die Delegierten an über 20 Vorträgen und mehreren Workshops teil und begutachteten Ausstellungen und Ressourcen. Zwischendurch gab es allerdings auch Unterhaltung durch einen Empfang auf der Burg von Edinburgh auf Einladung von Lord James Douglas-Hamilton, ein traditionelles schottisches Ceilidh (Tanz) sowie Rundfahrten durch Edinburgh und Umgebung.
Das vom Lenkungsausschuß des Europäischen Netzwerks zum Thema Jugend und Rauchen zusammengestellte Programm sollte den Gestaltungsprozess von Programmen gegen Tabakkonsum reflektieren. Daher begann Sitzung 2 mit neuen Forschungsergebnissen zur Prävalenz jugendlicher Raucher in Europa, präsentiert von Dr Candace Currie, ausgehend von der Weltgesundheitsorganisationsstudie zum Gesundheitsverhalten von Schulkindern. Professor Keith Tones gab dem Thema Jugend und Rauchen eine theoretische Perspektive mit der Schlußfolgerung, daß eine "radikale Analyse und differenzierte Lösungen" gefordert seien. Im besonderen wurden bestehende Interventionsbarrieren hervorgehoben, die das Thema des die Sitzung 3 abschließenden Vortrages von Dr Karen Slama und der darauffolgenden Workshops bildeten. Sitzung 4 war der Rolle und Perspektive der Forschung gewidmet, während in Sitzung 5 neue Ideen für Programme vorgestellt wurden und Sitzung 6 Strategien zur Erfassung weitreichenderer Zielgruppen präsentierte. Des weiteren wurden Beispiele von Integration und Zusammenarbeit auf schulischer, städtischer, staatlicher und europäischer Ebene diskutiert, gefolgt von einer Debatte zu umfassenderer Integration von Forschung und Intervention. Der letzte Konferenztag war der Entwicklung von Strategien auf europäischer, staatlicher und regionaler Ebene und der Definition der zukünftigen Rolle, Aufgaben und Finanzierung des Europäischen Netzwerks zum Thema Jugend und Rauchen gewidmet.
Die vorliegende Zusammenfassung gibt einen Überblick der Konferenz, ihrer Zielsetzungen, Schlußfolgerungen und Empfehlungen. Jede Sitzung wird kurz zusammengefaßt und die wichtigsten Punkte der Präsentationen und Debatten extrapoliert.
Die Zielsetzungen der Europäischen Konferenz zum Thema Jugend und Rauchen lauteten wie folgt:
· Präsentation eines europaweiten Überblicks von Prävalenztrends und Aktivitäten zum Thema Jugend und Rauchen.
· Planformulierung für gemeinsame Aktionen auf regionaler, nationaler und übernationaler Ebene.
· Identifizieren von Überwachungsmethoden für Aufnahme, Durchführung und Ergebnisse dieser Aktionen.
· Identifizieren von Stärken sowie möglichen Schwächen im Bereich der Präventivarbeit und wie diese überwunden werden können.
· Festlegen der Rolle, die das Netzwerk in Unterstützung dieser Aktivitäten spielt.
Mit der Konferenz in Edinburgh wurde die Reihe europäischer Konferenzen zum Thema Jugend, Gesundheitserziehung und der Prävention von Rauchen, unterstützt vom Programm Europa Gegen Krebs, fortgesetzt: Glasgow 1990, Dublin 1990, Sevilla 1993, Montpellier 1993, Frascati 1994, Empoli 1994 und Dublin 1994. Die Planung der Konferenz in Edinburgh zog zwei besondere Gesichtspunkte in Betracht:
Weitere Zielsetzungen der Konferenz gehen Hand in Hand mit den Zielsetzungen des Netzwerks zum Thema Jugend und Rauchen selbst:
· Integration von Maßnahmen zur Verringerung des Zigarettenkonsum fördern.
Die Delegierten waren aufgefordert, sich innerhalb der Workshops mit einigen der Schlüsselthemen zu befassen, die direkt mit den während der Konferenz behandelten Bereichen in Zusammenhang standen:
Insgesamt widmeten sich drei Workshops diesen Fragen, wobei auf verschiedenen Ebenen an sie herangegangen wurde:
Es folgen die Schlußfolgerungen der Konferenz, jeweils vervollständigt durch spezifisch auf die zukünftige Arbeit des Netzwerks abgestimmte Empfehlungen.
In Sitzung 3 wurden Hindernisse in der Prävention von Tabakkonsum diskutiert und fünf hauptsächliche Bereiche, in denen Barrieren bestehen, aufgeführt: Mangel an Wissen, finanziellen Mitteln und Unterstützung; Einschränkungen durch organisationsbedingte Strukturen; und unzulängliche Interventionsstrategien. Die Delegierten gaben die laut eigener Erfahrung bestimmenden Faktoren an, die zur gegenwärtigen Situation in jedem der aufgeführten Bereiche beitrug.
· Fachliche Informationen sind oft nicht verfügbar, da in einer Fremdsprache erschienen.
· Unterschiede in Wissensstand und Perspektiven erschweren Zugang zu Informationen.
· Veröffentlichung von Forschungsergebnissen nicht benutzerfreundlich für praktisch auf dem Gebiet Tätige.
· Zugriff auf Fachratschläge kann für praktisch auf dem Gebiet Tätige schwierig sein.
· Fehlende Forschung, was die Rolle des Rauchens vor dem kulturellen Hintergrund von Einwanderern, Flüchtlingen und Bevölkerungsgruppen mit niedrigem Einkommen anbelangt.
· Mittelbeschaffung oft schwierig, da Glaubwürdigkeit des Unterfangens bewiesen und Zugang zu Entscheidungsträgern gegeben sein muß.
· Konkurrenz durch ähnliche Projekte um finanzielle Mittel aus gleichen Quellen.
· Finanzielle Entscheidungen abhängig vom jeweils herrschenden Geschäftsklima.
· Finanzielle Unterstützung von nationalen Körperschaften erforderlich.
· Finanzierungshilfe für Langzeitprojekte sehr schwierig, da keine kurzfristigen Ergebnisse vorgelegt werden können.
· Unterstützung von Lehrern, Jugendarbeitern und anderen schwer zu gewinnen, wenn wenig Enthusiasmus vorhanden.
· Lehrer erhalten wenig Schulung in Gesundheitserziehung, die generell nicht als wichtiger Bestandteil des Lehrplanes angesehen wird (in Großbritannien).
· Lehrer und Eltern glauben vielfach, daß andere gesundheitliche Themen wie z.B. Drogen und Sexualfragen, wichtiger sind.
· Jugendarbeiter müssen ebenfalls entsprechend geschult werden.
· Gesundheitsfördernde Strategien sind nicht umfassend.
· Mehrere Programme zum gleichen Thema laufen gleichzeitig, womit Verwirrung entsteht, welches zu befolgen ist.
· Rivalitäten und Konkurrenz zwischen Organisationen mit ähnlichen Zielsetzungen, aber unterschiedlicher Problemauffassung.
· Gegenwärtige strukturelle Einschränkungen erlauben nur vertikale Ansätze.
· Verschiedene Länder verfolgen verschiedene Strategien.
· Forschungsarbeit und praktische Arbeit sind nicht integriert.
· Neue, innovative Ansätze sind erforderlich.
Der Schwerpunkt von Sitzung 8 bestand in der Integration von Forschung und Intervention in der Tabakbekämpfung und wie, unter den folgenden vier Gesichtspunkten, die gegenwärtige Situation in den verschiedenen Ländern verbessert werden könnte: intersektorale Zusammenarbeit, Programmvorbereitung, Programmauswertung und Programmverbreitung. Die Delegierten kamen zu folgenden Schlußfolgerungen:
Nach Auffassung der Konferenz kommt dem Europäischen Netzwerk zum Thema Jugend und Rauchen eine wichtige Rolle zu, vor allem in der Überwindung von Hindernissen der effektiven Intervention und in der Förderung der Integration von Forschung und Programmausführung. Während Sitzung 9 diskutierten die Delegierten die Anforderungen, die sie an das Netzwerk stellen und legten mehrere Bereiche fest, auf denen das Netzwerk seine Aktivitäten weiter ausdehnen könnte.
Als hauptsächliche Aufgabe des Netzwerks sahen die Delegierten die Ermöglichung des Austausches von Informationen zu in der Forschung gewonnenen Erfahrungen, zu erprobten Praktiken, zu Finanzierungsmöglichkeiten und nützlichen Kontakten. Die Weiterführung des Mitteilungsblattes zur Verbreitung neuer Informationen, Forschung, Finanzierungsmöglichkeiten und Programminnovationen wurde besonders hervorgehoben; sowohl das Mitteilungsblatt als auch der Zugang zu der vom Netzwerk geführten Datenbank werden als äußerst wertvoll betrachtet, wobei zu beiden Informationsträgern auch Verbesserungsvorschläge vorgebracht wurden:
Weiters wurde die Bedeutung des Netzwerks als Plattform für Diskussionen gemeinsamer Interessen unterstrichen, wobei besonders empfohlen wurden:
Die folgenden Bereiche kristallisierten sich als besonders verfolgenswerte Strategien heraus:
In dieser Hinsicht hat das Netzwerk verschiedene Möglichkeiten, aktiv zu werden:
Folgende Strategien wurden vorgeschlagen, wobei allgemein anerkannt wurde, daß das Netzwerk zu ihrer erfolgreichen Durchführung an Profil, Präsenz und Glaubwürdigkeit gewinnen muß.
Ein breites Spektrum an Fähigkeiten, Information, Ressourcen, und Unterstützung wurde geboten:
Basierend auf den Schlußfolgerungen der Konferenz in den oben genannten Bereichen wurde eine Reihe formeller Empfehlungen an das Netzwerk formuliert, wobei sich die Delegierten für die Weiterführung des Netzwerks und die Verfolgung der im weiteren aufgeführten Zielsetzungen aussprachen:
Neue Medien
Massenmedienprogramme
Schulprogramme
Außerschulische Interventionen
Forschung
Jugendliche und ihre speziellen Bedürfnisse
Leitlinien und Checklisten für Planung und Auswertung
"Smokebuster" Clubs
Schulung
Die eröffnenden Sitzungen legten den thematischen Rahmen der Konferenz fest. Die Aktivitäten gegen Tabakkonsum in Europa und innerhalb des "Europa Gegen Krebs" Programms wurden von Frau Soledad Blanco skizziert. Dr Anne Charlton und Frau Cecilia Stephens erläuterten dann die Anfänge und bisherige Entwicklung des Europäischen Netzwerks zum Thema Jugend und Rauchen, während der Gesundheitsminister für Schottland, Lord James Douglas-Hamilton, allen Delegierten ein herzliches Willkommen aussprach und einen Überblick der gegenwärtig in Schottland angewandten Maßnahmen zur Bekämpfung des Zigarettenkonsums gab.
· Aus von Tabakfirmen erhobenen Abgaben wurde ein neuer europäischer Fond für Informationsprogramme zum Thema Rauchen eingerichtet.
· Der dritte Aktionsplan des Programms Europa Gegen Krebs bezieht Jugendliche als eine der Hauptzielgruppen mit ein.
Die Präsentation von Dr Currie war in vier Abschnitte gegliedert: Hintergrund der Studie über das Gesundheitsverhalten von Schulkindern (HBSC); neue Daten zu Jugend und Rauchen und die Bedeutung der gewonnenen Resultate, Vorteile und Einschränkungen transnationaler Information; und die Zukunftspläne des HBSC-Teams.
Es folgte der Vortrag von Professor Tones, der viele der gängigen Annahmen über Interventionen zur Vorbeugung gegen Zigarettenkonsum ins Kreuzfeuer rückte und für die Notwendigkeit argumentierte, über das gegenwärtige Verständnis sozialer und persönlicher Einflüsse auf das Rauchen hinauszuschauen auf die das Rauchen ursprünglich herbeiführenden Faktoren. Seine Analyse führte zu einer Neubewertung existierender Programme und zur Schlußfolgerung, daß vertikale Ansätze weniger Wirkung zeigen als horizontale, wobei die letzteren aufbauen auf Zusammenarbeit von Organisationen , auf Behandlung sozialer Fragen auf verschiedenen Ebenen und auf bewußtseinsfördernde Schulung und die Verbesserung allgemeiner Fähigkeiten, das Leben zu meistern. Dies sind die Ansätze, mit denen zukünftige Erfolge erreicht werden können.
Abschließend ging dann Dr Slama den Barrieren gegenüber Aktionen gegen Zigarettenkonsum sowie Möglichkeiten ihrer Überwindung nach, womit die Basis für die Workshops am Nachmittag vorgegeben war.
· 'je geraucht' ist keine konsistente Aussage gegenwärtigen Rauchverhaltens.
· Unterschiedliche kulturelle Hintergründe erklären vielleicht Unterschiede im Verhaltensmuster von Rauchern in und innerhalb von verschiedenen Ländern.
· Von Erwachsenen abgeleitete Variable, wie z.B. Beruf des Vaters, bieten nur unvollständige Erklärung des Rauchverhaltens von Jugendlichen.
· Einfluß Gleichaltriger komplexer als bisher angenommen, sollte neu bewertet werden.
· Sozialfeld sollte bei beobachteten Umfeldvariation mit in Analyse einbezogen werden.
· Individuelle psychologische Faktoren sollten nicht einfach akzeptiert, sondern die Situationen, aus denen sie entstehen, überprüft werden.
· Horizontale
Programme, u.a. Maßnahmenpakete und Erziehung, versprechen
größeren Erfolg, wenn auch grundliegende Anliegen wie
Selbstachtung und Selbstvertrauen behandelt werden.
In Workshops wurden die Erfahrungen der Delegierten selbst im Hinblick auf Barrieren effektiver Prävention erarbeitet. Die Teilnehmer waren aufgefordert, den Einfluß von Faktoren wie geringer Wissensstand, unzulängliche Finanzierung, Mangel an Unterstützung, strukturelle Anliegen und unklar gestaltete Interventionsstrategien einzuschätzen und im weiteren Möglichkeiten zu finden, wie das Europäische Netzwerk zum Thema Jugend und Rauchen bei der Überwindung dieser Hindernisse eingesetzt werden könnte.
Die Ergebnisse der Workshops werden weiter oben im Abschnitt "Schlußfolgerungen der Konferenz" beschrieben. Eine kurze Zusammenfassung folgt.
· Ressourcen können am wirkungsvollsten in Bereichen eingesetzt werden, auf denen die praktisch Tätigen bereits über Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungswerte verfügen.
· Praktisch Tätigen sollte der Zugang zu Forschungsmethoden und Ergebnissen erleichtert werden.
· Lehrer und Jugendarbeiter brauchen gezielte Schulung.
· Strukturen und Strategien verschiedener Organisationen sollten enger integriert werden.
Diese Sitzung wurde von Dr Hein de Vries vom ABC Forschungsprogramm zur Krebsprävention der Universität Limburg eröffnet, der in seiner Präsentation die Rolle der Forschung als zentrales Instrument in der Interventionsplanung unterstrich. Dann folgten kurze Beiträge von 4 Forschern, deren Arbeit demonstrierte, wie Forschung der Intervention Information an die Seite stellen kann. Dr Anne Charlton diskutierte Forschungsergebnisse zu jungen Frauen und deren Selbstbewußtsein, das ihrer Ansicht nach das Rauchen mancher jungen Frauen mit erklärte und in der Interventionsplanung berücksichtigt werden sollte. Dr Manuel Nebot präsentierte Ergebnisse des Verbreitungsverfahrens einer für Schulen entwickelten Intervention. Dr Alison Bullock beschrieb vorläufige Ergebnisse zu einer Untersuchung der außerschulischen Aktivitäten junger Leute, die mit in die Planung außerschulischer Präventivarbeit einfließen sollten, und Dr Erkki Vartiainen gab einen Überblick zu Auswertungsergebnissen verschiedener Interventionsarten. Abschließend folgte ein kurzer Bericht von Dr Hein de Vries über ein derzeit in den Niederlanden laufendes Demonstrationsprojekt.
· Forschung stellt Praktikern in jeder Programmphase wertvolle Informationen zur Verfügung: Differenzierung der Zielgruppen, Bedürfniseinschätzung, Programmimplementierung, Wertung der Wirksamkeit, Verbreitung des Programms.
· Mangelndes Selbstbewußtsein könnte eine Erklärung für das Rauchen junger Mädchen und Frauen bieten und verdient weitere Untersuchung.
· Der Verbreitungsprozess wird von strukturellen und personalbedingten Faktoren der ausführenden Organisationen beeinflußt.
· In außerschulischen Aktivitäten junger Leute finden sich europaweit ähnliche Trends - die beliebtesten sind Einkaufen, Freunde besuchen und Ausgehen mit der Familie.
· Im schulischen Kontext sind Programme über den Einfluß sozialer Faktoren besser geeignet und wirkungsvoller als Programme über gesellschaftliches Verhalten.
Den Vorsitz hatte Fräulen Danielle Grizeau vom französischen Ausschuß für Gesundheitserziehung. Es wurden alternative Wege gesucht, Jugendliche zum Thema Gesundheit anzusprechen. Rollenspiel, Spiele, Informationsprojekte unter Gleichaltrigen und raucherfreie Clubs sind bereits erprobte Methoden. Da allerdings eine Methode nie alle ansprechen wird, sind mehrere Ansätze erforderlich. Es wurden 3 Projekte vorgestellt, die in der Präventivarbeit bei jugendlichen Rauchern eingesetzt werden könnten.
· Aktive Einbeziehung der Jugendlichen in Gesundheitserziehung ist unbedingt erforderlich, um für die Jugend relevante und zugängliche Programme schaffen zu können.
· Theater und Schauspiel stellen individuelle Meinungen in Frage, fördern das Nachdenken und geben den Teilnehmern erhöhtes Selbstvertrauen.
Um der Aussage " Bis jetzt haben Interventionen gegen Rauchen den Gesichtspunkt junger Raucher völlig vernachläßigt" auf den Grund zu gehen, kamen die Präsentationen dieser Sitzung von jungen Leuten, Jugendarbeitern und in der Gesundheitserziehung Tätigen. Siri Kohl, eine junge Deutsche, Repräsentantin einer Jugendgruppe, die im Senat von Berlin in beratender Funktion auftritt, stellte die Meinung junger Leute zur Erziehung in Punkto Rauchen vor. Becky Saunders und Merlynne Francique stellten Erziehung in Punkto Rauchen in den Kontext von Philosophie und Methoden der Jugendarbeit, und Niklaus Oden von "A Non-Smoking Generation", Schweden, beschrieb den Ansatz der Erziehung Jugendlicher durch Gleichaltrige. Mehrere Jugendliche vom Edinburgh City Youth Cafe brachten Beiträge in die Diskussion ein. Den Vorsitz hatte Henk Stegeman.
· Nach Meinung der Jugendlichen hängt die Relevanz von Programmen davon ab, daß die Bedürfnisse und Anliegen junger Leute gehört und beachtet werden.
· Zwanglose Jugendarbeitsnetzwerke sind die idealen Stellen für Gesundheitserziehung junger Leute.
· Einbeziehung junger Leute in die Erziehung Gleichaltriger ist eine gute Methode, die Aussagen relevant und akzeptabel zu gestalten.
Professor Albert Hirsch übernahm den Vorsitz und die eröffnende Präsentation über Strukturen für internationale Kooperation gegen das Rauchen. Es folgten insgesamt 5 Vorträge, wobei jeder ein Beispiel einer Zusammenarbeit auf einer bestimmten Ebene gab. Marleen Lambert aus Belgien beschrieb eine nationale Koalition; Dr Donatello Alesso erläuterte eine Koalition zwischen Städten - das Netzwerk Rauchfreier Städte (Network of Smokefree Cities); Per Bge und Joergen Falk beschrieben eine Koalition zweier Organisationen, die gemeinsam an einem Programm für Schulen in Dänemark arbeiteten; Dr Katerina Sokou berichtete über an griechischen Schulen durchgeführte Forschung und David Rivett von der Weltgesundheitsorganisation beschrieb die Arbeit des Europäischen Netzwerks für Gesundheitsfördernde Schulen (European Network of Health Promoting Schools).
· Um effizient arbeiten zu können, muß jeder Partner einer Koalition seine Rolle und Aufgaben kennen.
· Koalitionen haben einen synergetischen Effekt, d.h. mit weniger Ressourcen kann mehr geleistet werden.
· Zielsetzungen und Kommunikationsstrukturen in einer Koalition müssen klar formuliert sein.
· Organisationen können Ressourcen, Personal und Erfahrungswerte zusammenlegen und Programme bieten, die eine Organisation alleine nicht bewältigt.
· Die Zusammenarbeit muß von allen beteiligten Organisationen intensive Unterstützung erfahren.
Dr Hein de Vries eröffnete diese Sitzung mit einer Zusammenfassung seiner Präsentation zur Rolle und Perspektive der Forschung und skizzierte die von den Delegierten in kleinen, nach Land aufgeteilten Arbeitsgruppen zu diskutierenden Punkte:
Die Vorschläge der Delegierten sind im Abschnitt "Schlußfolgerungen der Konferenz" aufgeführt.
· Planmodelle, Zusammenarbeit von Organisationen und Integration der Forschung in die Abwicklung von Programmen sind Teil einer guten, praxisbezogenen Arbeitsauffassung.
· Zielgruppen sollten während aller Programmphasen stärker miteinbezogen werden.
· Differenzierung der Zielgruppen ist von großer Bedeutung.
· Der Wert von Programmauswertung muß mehr betont werden.
· Innovative Verbreitungsstrategien müssen entwickelt und bewertet werden.
Dr Anne Charlton übernahm den Vorsitz dieser Sitzung, die sich mit der Meinung der Delegierten zur zukünftigen Entwicklung des Europäischen Netzwerks zum Thema Jugend und Rauchen befaßte. Dr Charlton eröffnete die Debatte mit einem Überblick zu den wichtigsten Schlußfolgerungen der Konferenz und stellte einige der wichtigsten Fragen in den Raum, die im Anschluß in den Arbeitsgruppen behandelt wurden:
(Das Projekt wird zu 80% von Europa Gegen Krebs finanziert. Die fehlenden 20% müssen aus anderen Quellen finanziert werden.) Wenn das Netzwerk über seine derzeitige Pilotphase hinauswachsen will, wie soll dies organisiert werden?
Während dieser Sitzung wurde eine Auswahl an Literatur zum Thema vorgestellt. Dr Annie Sequier skizzierte eine französisch-portugiesische Koproduktion. Dr Carla Arcti präsentierte eine zweisprachige Anleitung für Lehrer in englischer und italienischer Sprache. Eine Gruppe von Koordinatoren von "Smokebuster" Clubs stellte ein von vier nationalen Clubs unter der Leitung der Ligue contre le Cancer, Frankreich, laufendes Projekt vor, in dem ein praktischer Leitfaden zur Prävention von Zigarettenkonsum unter Kindern entworfen wird.
Eine Reihe offizieller Empfehlungen (siehe weiter oben) war das Ergebnis der von den Delegierten in Sitzung 9 erarbeiteten Schlußfolgerungen. Diese wurden der Konferenz präsentiert und allgemein als wegweisend für die Zukunft des Europäischen Netzwerks zum Thema Jugend und Rauchen angenommen.
Am Ende der Konferenz wurden die Delegierten gebeten, einen Wertungsbogen auszufüllen und wieder einzuhändigen; dieser Bitte kamen 26 Delegierte nach. Alles in allem waren die Kommentare sehr positiv und auf einer Skala von 0 bis 10 lag die Beurteilung allgemein bei 7 oder darüber. Das Niveau der Präsentationen wurde generell als sehr hoch angesehen, in manchen Fällen hätten mehr visuelle Hilfsmittel eingesetzt werden können. Einige Präsentationen waren nach Aussagen der Delegierten aufgrund ihrer Länge und theoretischen Ausrichtung zu schwierig und das Verhältnis zwischen Diskussionen und didaktischen Plenarsitzungen war zu sehr auf letztere abgestimmt. Viele Delegierte hätten sich mehr Diskussionszeit und ein weniger dichtes Programm gewünscht.
Ähnliche Kommentare gab es auch zu den Workshops, die nach Meinung mancher zu kurz gehalten waren, um adäquat auf ein Thema eingehen zu können. Innerhalb der Workshops abgehaltene Präsentationen, vor allem wenn sie nicht in direktem Zusammenhang mit dem Thema des Workshops standen, wurden eher als Ablenkung empfunden. Der Großteil der Delegierten nahm die Möglichkeiten der Interaktion und des Ideenaustausches gerne wahr, manche hätten kleinere Gruppen pro Workshop und mehr Workshops insgesamt vorgezogen.
Trotz teils kritischer Kommentare zur Struktur von Workshops und Präsentationen wurden die Hauptzielsetzungen der Konferenz dennoch erreicht, manche allerdings in größerem Umfang als andere. Der Rolle des Netzwerks wurde ein beträchtlicher Teil Konferenzzeit gewidmet, spezifische Empfehlungen wurden formuliert, während Pläne für gemeinsames Agieren weniger präzise festgelegt wurden. Barrieren wurden zwar identifiziert, schlußendlich wurde aber kein genauer Plan zu ihrer Überwindung aufgestellt.
Insgesamt waren unter den Delegierten mehr Experten der Gesundheitsförderung und Forscher als Jugendarbeiter zu finden. Dies war vor allem im Hinblick auf die Darlegungen von Alison Bullock, wonach Jugendklubs eine nützliche Plattform für Präventativinterventionen darstellen, von Nachteil. Hier wären praktische Beispiele existierender Arbeit mit Jugendlichen in diesem Umfeld, das viele Jugendliche anzieht, von größerem Nutzen gewesen als die von der Konferenz präsentierten theoretischen Rahmenbedingungen und Schulungsinitiativen.
Die Jugendlichen selbst, als eigentliche Zielgruppe, wurden auf der Konferenz von mehreren jungen Leuten aus Edinburgh und von Siri Kohl und Rebecca Kwee aus Deutschland vertreten. Sie fanden ein interessiertes Konferenzpublikum vor, das ernsthaft an ihrer Meinung zur Prävention von Rauchen interessiert war. Die Jugendlichen wiederum stellten sich den Fragen der Delegierten mit Elan und Selbstvertrauen. Vicky Haylott, Ian Etherington und David Scott vom Edinburgh City Youth Cafe bestachen durch Spontaneität in ihren Antworten und wurden von den Organisatoren der Konferenz entsprechend unterstützt. Der Konsensus der Diskussionen war, daß Erwachsene den Jugendlichen eine integrierte Rolle in der Entwicklung und Durchführung von Programmen einräumen und ihre Ansichten berücksichtigen müssen.Gleichaltrigen und Jugendarbeitern wird von den Jugendlichen mehr Autorität als Erzieher eingeräumt als Eltern und Lehrern. Die Jugendlichen vom Edinburgh City Youth Cafe zeigten sich insgesamt begeistert von der Konferenz und beabsichtigen, eine Konferenz für junge Leute zum Thema gesundheitliche Fragen zu organisieren.
Allerdings waren auch die Jugendlichen als Zielgruppe bei der Konferenz unterrepräsentiert. Hier ist eine alternative Methode notwendig,um die Meinung von Jugendlichen direkt zu erfragen anstatt sich auf Reaktionen Jugendlicher auf die Meinung Erwachsener zu beschränken. Viele junge Leute besitzen auch nicht das Selbstvertrauen, sich im Rahmen einer Konferenz von fachlich geschulten Erwachsenen Gehör zu verschaffen. Da nur wenige Jugendliche an der Konferenz teilnahmen und die meisten von ihnen keine vorbereiteten Beiträge lieferten, blieb die Debatte darüber, inwieweit die Meinung Jugendlicher in die Präventivarbeit einbezogen wurde, letztendlich unbefriedigend. Die Debatte wurde statt dessen von den Erwachsenen und ihrer Interpretation davon, was junge Leute denken, dominiert und bot jungen Leute nicht die Chance, eigenständig zu agieren.
Eine Konferenz oder ein Seminar speziell für Jugendliche, wo sie die Möglichkeit haben, als direkte Teilnehmer ihre Meinung zu bilden und auszudrücken, ist vielleicht eine Art, eine breitere Palette an Meinungen und Reaktionen zu erhalten. Die Schlußfolgerungen einer derartigen Veranstaltung könnten dann von den Jugendlichen an Erwachsene weitergegeben und im Rahmen einer von den Jugendlichen zusammengestellten Tagesordnung behandelt werden.
Die Konferenz als solche zielte nicht ausdrücklich
darauf ab, Zielgruppen oder ihre Meinungen einzubeziehen. Für
eine in Zukunft abgehaltene Konferenz zum Thema Jugend und Rauchen
wäre eventuell auch zu berücksichtigen, daß Programme
gegen den Tabakkonsum für Jugendliche von den Erfahrungen
Jugendlicher ausgehen sollten und daß dies auch im Rahmen
der Konferenz aufgegriffen wird.